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Kundenschreiben an AOL



Meine lieben Freunde von AOL,

mit großer Freude erhalte ich immer Ihre CDs.
Lange ist es her, dass ich bei Ihnen einmal Kunde war.
Wie dies geschehen konnte ist mir bis heute unklar, es muss wohl zu vorgerückter Stunde und mit extrem erhöhtem Alkoholspiegel gewesen sein.

Sehr gut kann ich mich noch erinnern als ich wieder nüchtern war und bei Ihrer Hotline den Wunsch äußerte, Sie wieder loszuwerden.
Per Einschreiben musste ich Ihnen die Kündigung zukommen lassen, da Sie lustig weiter die monatliche Grundgebühr abgebucht hatten.

Was glauben Sie, wie motiviert ich wohl bin, jemals wieder eine CD von Ihnen ins Laufwerk zu schieben?
Entsprechend groß ist auch meine Freude, wenn ich wieder mal eine CD von Ihnen bekomme.
Seltsamerweise ist das regelmäßig und das schon über 3 Jahre.

Jetzt frage ich Sie, was soll ich mit dem ganzen Müll machen?

Eine Wiederverwertung der Hüllen ist nicht möglich, da Sie Ihre Labels daraufkleben.
Zugegeben, nach ca. 30 Minuten kann man diese, wenn man bereit ist 2 Fingernägel zu opfern, in ganz kleinen Stückchen abfummeln.
Der auf der Hülle verbleibende Klebstoff ist aber auch selbst mit Nitroverdünnung nicht abzulösen.

Die Hüllen indess kleben, wo sich vorher die Labels befanden, munter weiter - auf allem, zuletzt sogar auf meiner Katze, die versehentlich zu nah daran vorbeiging.
Ich kann Ihnen versichern, es war nicht sehr komisch, meine Katze mitten in ihrer Panikattacke von der Klebehülle zu befreien.

Die CDs selbst habe ich früher in den Winkelschleifer gespannt um damit die Gartenabfälle zu zerkleinern.
Aber die Qualität ist mittlerweile auch schlechter geworden, sie taugen selbst dazu nicht mehr.

Anscheinend muss man es Ihnen ausdrücklich sagen dass Ihre CDs bei mir unerwünscht sind.

Also Klartext: Ich will Ihre CDs nicht!

Warum ich so unfreundlich zu Ihnen bin? Erkläre ich Ihnen sehr gerne.

Ich war vor kurzem in einem Altersheim, meine Großmutter mit 97 Jahren bekommt ständig CDs von Ihnen.
Denken Sie, dass sie weiß wer Sie sind?
Meinen Sie sie hat schon einmal das Wort Internet gehört?
Denken Sie wirklich, dass diese Frau einen PC besitzt?

Das einzige was diese Frau besitzt ist ein Fotoalbum mit Fotos!
Nicht einmal die Unterwäsche und die Zähne gehören ihr.

Nachdem ich die anderen Bewohner nach AOL-CDs gefragt hatte, bekam ich über 120 Stück!
Also eine tolle Leistung Ihres Marketings. Zielgruppe zu 100 % verfehlt !

Ein Bewohner, der an Parkinson erkrankt ist, benutzt Ihre CDs wenigstens recht sinnvoll.
Indem er sie an die Unterseite seiner Schnabeltasse klebt, >>"da muss ich mit absetzten nicht immer so aufpassen, wenns mich gerade wieder durchschüttelt"<< hat er mir erklärt.
Ha, wie habe ich gelacht!

Ein anderer versteckt seine Zigaretten in Ihren Cases vor den Pflegern, eine andere Bewohnerin schiebt Ihre CDs über die Toilettenbürste, >>"wenn sie mir aus der Hand gleitet, fällt sie dann nicht ganz hinein..."<< ist Ihre Begründung dafür.
Da bekommt der Satz "ist sie schon drin..." - eine ganz andere Bedeutung...
Aber selbst wenn, was glauben sie wieviel Toilettenbürsten diese Dame besitzt?

Von allen soll ich Ihnen jetzt ein recht herzliches Dankeschön ausrichten!
Bei allen dreien wäre ein Leben ohne AOL gar nicht mehr denkbar.

Mit freundlichem Gruß und den nächsten CDs entgegensehend.



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